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Die Hauptstadt der deutschen Jugend lag in Kreuzberg. scheißegal, wo Pankow und wo Bonn war. 1972, auf den Weltjugendfestspielen in hätten die Genossen, ob sie sich nun als Sozialdemokraten organisiert hatten im Westen, oder als Einheitspartei aus Sozialdemokraten und Kommunisten im Osten, die Chance zu einer Wiedervereinigung der guten Geister gehabt. Aber in Wandlitz oder Godesberg saßen die Genossen mit steifem Hals und waren bockig, Sie fühlten sich verfolgt.
"Keine Macht für Niemand" auf dem Festival der Jugend in der Hauptstadt der Deutschen Demokratischen Republik? Warum nicht ?War das nicht das Ziel, von Karl Marx geschrieben hatte? Rio wurde von Engholm und Lafontaine 1982 eingeladen, die SPD in ihrem Wahlkampf zu unterstützen. Die DDR entschloß sich 1988, ein Jahr vor der historischen Wende, mutig, wie sie fand, dem Anarchisten aus der "BRD" in der Werner Seelenbinder Halle einen Auftritt zu gestatten.
Vorbei, vorbei. -
Wer zu spät kommt, bestraft nicht nur sich selbst, sondern auch die anderen, die er warten läßt.
Der Deutsche Fernsehfunk, das staatliche Fernsehen der DDR war so tollkühn, eine Live-Übertragung des Konzerts zu schalten. Aber eine technische Panne machte es nötig die Sendung zu unterbrechen als Rio sang: " Der Traum ist aus" und das Publikum im Osten genauso außer Rand Band geriet wie das Publikum im Westen.

Auf eigene Faust

Ton Steine Scherben machten Politik auf eigene Faust. Sie ließen sich auf keine Linie bringen. Hieß die Demonstrationsparole "Freiheit für Horst Mahler", dann grölten sie "Freiheit für alle Gefangenen"
Und erhoben sich die versammelten Revolutionäre um zu skandieren: "Hoch lebe die internationale Solidarität" dann riefen die Scherben dazwischen "Hoch lebe die internationale Kinderschokolade" "Genossen, so geht das aber nicht."
Was haste dagegen? Ich hab´ teilen lernen müssen, wenn´s Marzipanschokolade gab, die hätt´ ich nämlich gerne ganz allein gegessen.
Die Scherben verließen das Rauchhaus. Sie waren Spontis, ihr Einfluß auf die proletarische Jugend war verderblich, hielt keiner Klassenanalyse stand. "Die Sitzung ist geschlossen."

Und Tschüss!

Die Zeit des Türenknallen hatte begonnen. Türen knallten in Wohngemeinschaften, wo man sich auf den Wecker ging, sie knallten bei nächtelangen Sitzungen in Schulungs- und Versammlungsräumen, sie knallten, noch heftiger als vorher, in Klein- und Großfamilien. , in Kinderläden, Schulklassen und Universitäten. Entweder wurde einer gerade rausgeschmissen oder verließ wütend und "für immer! " Vater und Mutter, die Partei, die Gruppe, den Kurs, die Linie, die Braut, den Lover, die Firma, die Redaktion, und Türen knallten, wenn die GSG9 eine Wohnungstür aufsprengte , weil sich dahinter vielleicht Holger Meins, Andreas Baader oder Ulrike Meinhof versteckten. Die Staatsfeinde Nummer Eins. Die Scherben halfen Türen aufzumachen, nicht wenn die GSG 9 es tat. sondern bei Hausbesetzungen
Dabei ging´s auch nicht leiser zu. Denn viele dieser Türen wurden unter Freudengeheul aufgebrochen. Ton Steine Scherben tourten durch Westdeutschland und wo sie spielten, versammelte sich am Schluß des Konzerts das Publikum um loszuziehen, ein Abrißhaus - Wohnhäuser oder Hallen einer stillgelegten Fabrik - zu besetzen, damit daraus so etwas würde, wie das Rauchhaus in Berlin, so wünschten es sich die alternativen Veranstalter, wenn sie die Scherben eingeladen hatten zu einem Konzert oder einer politischen Versammlung. Sie tingelten nun durch die Bundesrepublik, sangen sich heiser, spielten sich die Finger wund, und lernten alle Abrißhäuser der Bauspekulanten und Matratzengruften der Alternativen kennen. Mehr als manches Meinungsforschungsinstitut und mancher Soziologieprofessor erfuhren sie auf dieser Ochsentour wie die Stimmung war im Land.
Zum ersten Mal wieder seit langer langer Zeit regierten die Sozialdemokraten. Für die Rechten: "vaterlandslose Gesellen", Als "Arbeiterverräter" von den Linken beschimpft.
Man konnte Gangsterboß und Killer, Multimillionär und Trebegänger sein, aber Kleinbürger, wie die Sozialdemokraten, das nicht, das war schlimmer als Fußschweiß oder Krawatte, für die außerparlamentarische Linke.

Fortsetzung