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Winnetous Garagen standen gut getarnt, nicht nur in Niederroden, es gab sie überall im Land in Bayern, Schwaben, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, in Hannover, Bremen, Hamburg, in Braunschweig, Göttingen. Tübingen, in München, Schorndorf und in Ulm. Zwar wußte keine der Garagen von der anderen - wie auch, sie waren ja gut getarnt - aber überall wurde Winnetous Pferd gefüttert und gepflegt.
Sie trugen englischen Tarnnamen, verkappt als Rock- und Beat- Bands, hießen ASTA, Club Voltaire, Jazzkeller, Falken, DFU, Antroposophen

Die Roßkur

Rio brach die Lehre ab, verließ Niederoden und die Beatkings, und machte den Abflug.
Er flog tatsächlich. Sein erster Flug, von Frankfurt nach Berlin, Bezahlt hatten ihn die Produzenten der ersten Beatoper der Welt. Die sollte nicht in London, nicht in New York und auch nicht in Toronto uraufgeführt werden, sondern im Berliner Theater des Westens. Gert und Peter, die Gebr. Möbius waren die Produzenten. Die Musik dazu komponierte er, der siebzehnjährige Rio Degalix, Professor Pest A. Lozzi hatte ihm diesen Namen gegeben bevor auch er den Abflug machte: nach San Fransisco.
Eigentlich sollte diese Oper "Das Visionär" heißen, eigentlich sollte Erik Burton die Hauptrolle spielen, eigentlich sollte sie, im Geist der fantastischen Vier, im ägyptisch modernen Stil inszeniert werden, eigentlich ja eigentlich. Am 27. Juni 1967 hatte das Visisonor Premiere Es war keine Verbeugung vor dem Science Fiction Autoren H.G. Wells und Isaak Assimov, vor den Theaterrevolutionären Antonin Artaud dem Maler Henri Rosseau, dem Phantasten Karl May, den Marx Brothers dem Komikern Karl Valentin, Doktor Diabolo vom Forum Theater und der Pate, Chef der Freunde - nein, nicht der italienischen Oper - sondern der deutsch-österreichisch-ungarischen Operette, Träger des Emmerych Kalman Rings, hatten die wagemutigen Jungs aus Winnetous Garagen, freundlich aber bestimmt unter ihre Fittiche genommen. Das waren die Wagemutigsten, die sich in Berlin für so ein Unternehmen finden ließen. "Ihr Kinderlein kommet, bei Geld werd ich sinnlich" war der Gebetsspruch des Paten. "Jungs laßt mich nur machen", war der Spruch des Doktors Diabolo. In einer Roßkur zähmten die beiden Geldgeber dieses Unternehmens den galaktischen Wildhengst bis er brav im Kreis lief wie ein Rummelplatzpony.
Diesem Pferd warf keinen Reiter aus dem Sattel. Auf diesem Pegasus konnte ein Vierjähriger sitzen und ohne sich an den Zügeln festzuhalten an seiner Zuckerwatte lutschen. Ein richtiges Karussellpferd, mit Straß und Glimmer hatte mehr mit Showbusiness zu tun als dieses Promenadenmischung aus existentialistischem Studententheater und deutscher Billigoperette. Ein Jungregisseur, war aus Bayreuth geholt worden. Er hatte sich dort gerade kundig gemacht wie man Opern inszeniert, von Science Fiction hatte er zwar keine Ahnung, auch nicht von Beatmusik, aber er hatte schon einmal ein Comicheft gelesen. Karl Heinz Stracke der Operimpressario wollte Namen, die Inszenierung war ihm nicht so wichtig. Das wußte er von seinen Operetten.
So wurde Marion März engagiert, Hans Hass junior, Peter Horten und die Deutschlandkönigin von 1965. Das Premierenpublikum war tatsächlich aus der ganzen Welt angereist. In der Pause hieß es noch die erste Beatoper der Welt würde ein Bombenerfolg. Nach der Pause allerdings war es nicht mehr zu übersehen, daß der Regisseur Paul Vasil vor lauter Liebeskummer vergessen hatte auch diesen Teil noch zu inszenieren, War der erste Teil schon mäßig, konnten sich jetzt nur noch Rio, die Vooddos und David Garrick retten. Der Popstar aus London wußte auch ohne Regieanweisung, daß er in einer Beatoper und nicht in einer Operettenparodie mitspielte. Die anderen sahen jetzt aus wie hingespuckt, und bewegten sich als müßten sie mal dringend auf Toilette.
Für Rio und seinen Bruder Peter, der das Libretto geschrieben hatte war die Roßkur vorbei.

Fortsetzung