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VON SONJA STEMES


Krefeld (RP) Rio Reiser, bürgerlich Ralph Christian Möbius, wurde am 9. Januar 1950 in Berlin geboren. Das erste Licht seines Lebens kam von einer Osram-Lampe. Und: „Ich habe nicht geschrieen. Ich war ein gutes Kind!“

Am Freitag gestalteten Carsten Andörfer und die Gruppe Flut im Kulturpunkt Friedenskirche mit Stimme sowie klassischen Instrumenten – Violine, Bratsche, Cello, Kontrabass und Schlagzeug – einen Abend „In Memoriam Rio Reiser.“ Das kurze, aber wohl sehr intensive Leben des Sängers, Komponisten und Texters endete am 20. August 1996 in Fresenhagen, Nordfriesland. „Rio starb letztendlich an einem Magendurchbruch. Man hätte ihn retten können, doch er wollte das nicht“, erklärte Andörfer. Reisers letztes Album „Himmel und Hölle“ mache diesen Todeswunsch deutlich. Sprach es und sang „Gefahr.“ Darin sehnt sich Rio danach, dass alle Bremsen blockieren mögen. Er selbst sei „das große Unbekannte, du kriegst mich nicht auf deinen Radarschirm!“ Fallen will er – und sterben. Mit Leib und Seele stürzte sich Frontmann Andörfer – er ist Schauspieler an den Vereinigten Bühnen Krefeld/Mönchengladbach – mit charismatischer Stimme in diese und andere Stücke. Enorm bewegend war das.
Neben schwer verdaulichen Texten interpretierten die hervorragenden Musiker der Formation Flut auch Leichtes, wie Rio Reisers „König von Deutschland.“ Dass der ehemalige Hausbesetzer zudem sehr romantisch war, beweisen seine zahlreichen Balladen. Da blickt „Der Junge am Fluss“ in den Himmel und lauscht seinen Träumen, bevor er aus den Wolken fällt. Und in „Herbst“ streichelt Rio die Katze und wünscht sich „das wärst du“.
Heiter und optimistisch konnte er ebenfalls sein. In „Land in Sicht“ ist er beispielsweise davon überzeugt, dass die Sonne die Tränen von gestern wieder trocknen wird. Und dann ist da wieder Melancholie und Angst. So nahm Andörfer sein gebannt lauschendes Publikum als „Blinder Passagier“ mit auf eine Reise ins Ungewisse. Denn: Backbord ist ein riesiges Loch. Doch das Ziel der Fahrt ist „nicht weit von hier.“ Eine Reise in den Tod?
Das nachdenklich stimmende Konzert glich einem Wechselbad der Gefühle. Man ließ sich trotzdem, oder gerade deswegen, gern entführen in die hoch emotionale Welt des Rio Reiser. „Er hat eigentlich alles dafür getan, kein Star zu werden. Aber er wurde einer“, hatte der Kulturbeauftragte der Friedenskirche, Joachim Watzlawik zu Beginn der Veranstaltung gesagt.
Rio Reiser ist, dank einer Sondergenehmigung, auf seinem Grundstück in Fresenhagen 11 beigesetzt worden.