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Ton-Steine-Scherben-Sänger

Ein Zimmer für Rio Reiser

Alt Tucheband im Oderbruch feierte zu seinem 60. Geburtstag den "berühmtesten Enkel" des Dorfes.

Alt Tucheband – Zum Glück wird in kleinen Dörfern wie eh und je getratscht. So blieb im winzigen Alt Tucheband kurz vor der Oder vor zwei Jahren der Besuch von zwei Männern mit etwas längeren Haaren aus dem 80 Kilometer entfernten Berlin nicht lange unbemerkt. „Das waren die Brüder von diesem Rocksänger Rio Reiser“, erzählte die heute 87-jährige Margot Zibetzky auf der Dorfstraße. Das schnappte der sich selbst als „Tratschmaul“ bezeichnende Dorfmusiker Hans Andreas auf. Er recherchierte die Familiengeschichte des „Königs von Deutschland“ und fand eine zunächst für unglaublich gehaltene Verbindung von Rio Reiser mit dem eigenen Heimatdorf heraus. In Alt Tucheband lebten die Großeltern des nach wie vor mit einem Mythos umgebenen Musikers, Komponisten, Schauspielers und Sängers. Hier wurde 1917 auch sein Vater geboren, der bis zum achten Lebensjahr in diesem Flecken lebte. „Ich war von dieser Nachricht regelrecht fasziniert“, erzählte Hans Andreas, der als „Hölschebure“ mit der Ziehharmonika und Holzschuhen durch die Gegend zieht. „Mit drei Gleichgesinnten hatte ich die Idee, dauerhaft an den wohl berühmtesten Enkel des Dorfes zu erinnern.“

Gestern luden sie zur ersten Gedenkfeier an Rio Reiser, der am 9. Januar 60 Jahre alt geworden wäre, in das bescheidene Landhaus ein. Fast das ganze 450 Einwohner zählende Dorf eilte herbei, um mehr über den Sänger zu erfahren und bekannten Liedern wie „König von Deutschland“, „Für immer und Dich“, „Ich denk an Dich“ oder „Junimond“ zu lauschen. Rios ältester Bruder Gerd las aus Tagebüchern und aus Aufsätzen. „Opa Paul hat viel vom alten Rittergut und der Kirche berichtet“, erzählte Gerd Möbius.

Leider stehen beide Gebäude nicht mehr. Alt Tucheband wurde in der Schlacht um die Seelower Höhen in den letzten Kriegstagen zu 95 Prozent zerstört. Dafür steht das Wohnhaus der Familie Möbius noch. Der im Alter von 46 Jahren 1996 verstorbene Ralph Christian Möbius nannte sich ab 1968 Rio Reiser. Künftig werden Einwohner und Besucher alle Details über den Gründer der Band „Ton, Steine, Scherben“ erfahren können. Ein sogenanntes Klangzimmer soll auf Tafeln und mit einigen originalen Exponaten an Rio Reiser erinnern. Außerdem wollen die Alt Tuchebander hier selbst musizieren und sich zu Veranstaltungen treffen. Noch fehlt ein geeignetes Gebäude. Doch die Dorfspitze war clever genug, um zur gestrigen Gedenkfeier alle Bürgermeister aus der Nachbarschaft, den Landrat, Unternehmer, Künstler und die Sparkasse einzuladen. Die dürften sich der Initiative aus Alt Tucheband kaum entziehen können, Rio Reiser dauerhaft ein Denkmal im Oderbruch zu setzen. Der war übrigens 1993 das erste und letzte Mal mit seinem Vater in der Gegend im Osten Brandenburgs. Claus-Dieter Steyer

(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 06.01.2010)