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Das wahre Leben des "Königs von Deutschland"

In Neukölln werden Szenen für ein Doku-Drama über Rio Reiser gedreht - Konzertaufnahmen im Ballhaus

Rixdorf Filmstadt Berlin - hinter jeder Fassade, vor der verdächtig viele Lastwagen geparkt sind, vor der gar ein Caterer sein schmackhaftes Handwerk treibt, könnten Dreharbeiten vonstattengehen, und es gibt wohl kaum einen Ort, der nicht als Kulisse vorstellbar wäre. Ein wahres Prachtstück liegt verborgen auf einem Hof des Kottbusser Damms.

Wo vorn die Auslagen von Gemüsehändlern standen und eine mürrische Armee von Fußgängern durch den Nieselregen marschierte, wurde hinten im leer stehende Ballhaus Rixdorf fröhlich gefilmt: Für ein Doku-Drama des SWR über den 1996 verstorbenen Musiker Rio Reiser ("König von Deutschland") standen dort gestern mitreißende Konzertaufnahmen auf dem Drehplan.

Schauspielerin Jana Palaske sang an der Seite von Hauptdarsteller Marek Harloff einen Titel von Reisers Band "Ton Steine Scherben", im Hintergrund schepperten Schlagzeug, Bass, Gitarre und als die Komparsen anschließend gehalten waren, noch einmal für den Tonmeister richtig Remmidemmi-Applaus zu liefern, da wird sich auch Zuschauer und Drehbuch-Koautor Albrecht Metzger im Meer hochgerissener Arme an seine besten Tage als Moderator des WDR "Rockpalast" erinnert haben.

Bei einem Abendessen hatte ihn die Regisseurin Barbara Teufel dafür gewonnen, an "Alles Lüge - Die Wahrheit über Rio Reiser" mitzuschreiben. Ein Leichtes für den in Berlin lebenden Schwaben, hatte er doch als Journalist und später als Filmemacher Reiser und die Scherben seit den Siebzigern immer wieder begleitet.

Barbara Teufel dagegen, die den Job als Reiser-Verfilmerin nach ihrem Berlinale-Erfolg "Die Ritterinnen" bekam, sagte, habe "erst mal recherchieren müssen", denn mehr als ein Album der Scherben im Plattenregal verband sie nicht mit dem Vertreter der seltenen Gattung "Deutsches Rockidol". Im Herbst 2007 soll der Film ausgestrahlt werden. In der Zwischenzeit wird sie - ein schönes Nebenprodukt des aktuellen Drehs - neuerlich mit Metzger arbeiten. Diesmal für eine Dokumentation über Schule, Jugendliche und Gewalt.

Von Patrick Goldstein
Aus der Berliner Morgenpost vom 21. Oktober 2006