Rio Reiser offizielle Homepage des Rio Reiser Haus e.V. Fresenhagen
Rio Reiser
homemusikphotospresseinfopressespiegelbiographieverein
zeitreiselinksbestellungimpressumkontakt
Startseitewww.rioreiser.de - Presseinfo


"König von Deutschland": Rio Reisers Haus steht zum Verkauf

Einst war das Anwesen in Fresenhagen Heimat von Band und Kommune - Jetzt will sein Bruder die Immobilie veräußern
Fresenhagen - Das Rio-Reiser-Haus in Fresenhagen (Schleswig-Holstein) steht zum Verkauf. Das "Künstlerdomizil in einem reetgedeckten Friesenhof" - so die unscheinbare Anzeige im Internet - sei finanziell nicht mehr zu stemmen, erzählt der Bruder des 1996 gestorbenen Rio Reiser, Gert Möbius. Rio Reiser ("König von Deutschland") hatte das Haus 1975 zusammen mit seiner Band Ton Steine Scherben ("Keine Macht für niemand") für 50 000 Mark gekauft und ist seit 1996 auf dem Grundstück unter einem Apfelbaum begraben. Auf dem 26 000 Quadratmeter großen Areal ist ein Café und Museum, ein Tonstudio und ein Veranstaltungsraum entstanden. Kaufpreis: 450 000 Euro.

In den 1970er-Jahren war der Hof in Fresenhagen für die Band und Kommune ein Ort der Ruhe. Rio Reiser, der im Januar 60 Jahre alt geworden wäre, war aktiv in Berlin und fand einen stillen Ausgleich in Fresenhagen. "Die Friesen haben nicht so viel damit zu tun", konstatiert Möbius.

Heute sei die Abgeschiedenheit aber das Problem. Für Auswärtige liege das Gebiet zu weit ab vom Schuss.

"Das Haus war auch für alle eine Fluchtmöglichkeit, eine Oase, ein Ausgang aus dem Wahnsinn des straßenkämpfenden, drogengeschwängerten, von Polizei repressierten Berlin", erinnert sich die Grünen- Vorsitzende und frühere Scherben-Managerin Claudia Roth. Das Zusammenleben sei kreativ und familiär, aber auch hart gewesen. "Wir lebten von 15 Mark am Tag und waren froh, wenn wir Leergut auf dem Hof gefunden haben oder meine Oma mal ein Päckchen mit Kuchen geschickt hat." So spannend solche Geschichten auch sein mögen - leben kann man davon nicht. "Allein über das Museum, Übernachtungen und Veranstaltungen rechnet es sich nicht", sagt Möbius. Er habe in den vergangenen zehn Jahren Tausende von Euro in das Haus gesteckt. "Das übersteigt das Budget." Möbius wollte die Landesregierung um Hilfe bitten, bekam bei Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU) aber keinen Termin.

Was passiert bei einem Verkauf mit dem Grab, zu dem auch heute noch Fans pilgern? "Wenn nötig, werden wir das Grab nach Berlin umbetten", sagt Möbius. Auch das Museum und die persönlichen Dinge von Ralph Möbius, so der bürgerliche Name Rio Reisers, im Haus sollen bei einem Verkauf in die Hauptstadt umziehen.

Es gibt wohl Interessenten, auch aus dem Ausland. Am liebsten wäre es Möbius jedoch, wenn jemand aus der Musikszene das Haus übernimmt und weiter betreibt. Die Chancen dafür schätzt er allerdings gering ein. "Der Drang nach Kommune ist heute nicht mehr so groß. Die Zeit ist vorbei." dpa